Peer-Beratung in OÖ im Sozialberufegesetz verankert

Meilenstein in der Geschichte

Im September 2009 wurde vom oberösterreichsichen Landtag eine Novelle des OÖ Sozialberufegesetzes beschlossen, in der auch der Beruf der Peer-Beratung regelt wurde.

 

Die gesetzliche Verankerung der Peer-Beratung im Oö Sozialberufegesetz kann durchaus als einen Meilenstein in der Geschichte des Sozialbereichs bezeichnet werden. In keinem anderen Land hat Peer-Beratung durch die gesetzliche Verankerung einen solchen Status der Anerkennung.“, erklärt Mag. Wolfgang Glaser vom Empowerment-Center der SLI OÖ.

 

Mit Peer-Beratung ist die Beratung von Menschen mit Behinderung für Menschen mit Behinderung gemeint. Die eigene Betroffenheit von Peer-BeraterInnen und deren Erfahrung mit einer Behinderung zu leben, macht die Peer-Beratung zu etwas Besonderem und unterscheidet sich genau dadurch von anderen Beratungsformen.

 

Von der Idee zur Umsetzung

2008 wurde von Mag. Wolfgang Glaser, dem Leiter des Empowerment-Centers der Selbstbestimmt-Leben-Initiative OÖ gemeinsam mit FAB Organos ein Ausbildungskonzept für Peer-BeraterInnen ausgearbeitet.

 

Der Lehrplan für die Peer-Beratungsausbildung enthält nicht nur die Vermittlung von Beratungs-Know-How, sondern auch fachspezifische Inhalte über selbstbestimmtes Leben mit Behinderung, über behindertenspezifische Gesetze und Dienstleistungsangebote für Menschen mit Behinderung in Oberösterreich.

 

Dauer der Ausbildung

Im November 2009 wurde mit den ersten Peer-Beratungs-Ausbildungen mit FAB Organos als Ausbildungsträger im Empowerment-Center der Selbstbestimmt-Leben-Initiative OÖ begonnen. Die Ausbildungen haben jeweils 3 Semester gedauert und haben in erster Linie an Wochenenden stattgefunden, damit auch Berufstätige ohne Probleme daran teilnehmen können. Insgesamt umfasst die Ausbildung 240 Unterrichtseinheiten und 80 Stunden Praktikum. 

 

Für individuelle Bedürfnisse beim Lehrgang war gesorgt

Damit gehörlose Menschen an der Peer-Beratungsausbildung teilnehmen konnten, standen Gebärdendolmetscherinnen während der gesamten Ausbildung zur Verfügung.

 

Für jene TeilnehmerInnen, die behinderungsbedingt Assistenz gebraucht haben, wurden von der Persönlichen Assistenz am Arbeitsplatz (PAA) der Miteinander GmbH ein Assistent und eine Assistentin zur Verfügung gestellt.

 

Damit die hörbeeinträchtigte Teilnehmerin der Ausbildung dem Unterricht gut folgen konnte, wurde auch eine Induktionsanlage während dieser Ausbildung eingesetzt.

 

Bei der Auswahl der TeilnehmerInnen für die Peer-Beratungsausbildungen wurde darauf geachtet, dass es zwischen Frauen und Männern ein möglichst ausgewogenes Verhältnis gibt. Weiters wurde darauf geachtet, dass die TeilnehmerInnen mit den unterschiedlichsten Behinderungen aus unterschiedlichen Altersgruppen und aus den unterschiedlichsten Regionen Oberösterreichs kommen.

Als TrainerInnen wurden, wenn es um behindertespezifische Inhalte ging auch selbst betroffene ExpertInnen mit Behinderung in der Ausbildung eingesetzt.

Drei Ausbildungsrichtungen

Abschluss Peerberaterausbildung 2011
Abschluss Peerberaterausbildung 2011

Die Peer-Beratungsausbildung für Menschen mit körperlicher Behinderung haben 18 Personen absolviert, wobei hier Menschen mit ganz unterschiedlichen körperlichen aber auch Sinnesbehinderungen teilnahmen (z.B. RollstuhlfahrerInnen, Gehörlose sowie eine hörbeeinträchtigte Teilnehmerin und auch ein blinder Teilnehmer).

 

Die Peer-Beratungsausbildung für Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung haben 14 Personen absolviert, wobei Menschen mit den unterschiedlichsten psychischen Beeinträchtigungen daran teilnahmen.

 

Die Peer-Beratungsausbildung für Menschen mit Bedarf an einfacher Sprache haben 11 Personen absolviert.

 

Abschlussfeier

Am 8. Juli 2011 fand nun in den Redoutensälen in Linz in Anwesenheit von LH-Stv. Josef Ackerl die offizielle Abschlussfeier der beiden ersten Peer-Beratungs-Lehrgänge statt.

 

„Ich bin überzeugt, dass die Peer-Beratung erheblich zur Selbstbestimmung und dem Empowerment von Menschen mit Behinderung in Oberösterreich beitragen wird“,

meinte Mag. Wolfgang Glaser vom Empowerment-Center der SLI OÖ bei der Abschlussfeier für die Peer-Beratungs-Ausbildungen.

 

 

Finanziert wurden die Peer-Beratungs-Ausbildungen zur Gänze vom Land OÖ.

 

Peer-Beratungs-Ausbildung für Menschen, die einfache Sprache brauchen

Im Mai 2011 hat FAB Organos als Ausbildungsträger nun im Empowerment-Center der SLI OÖ auch mit der ersten Peer-Beratungs-Ausbildung für Menschen begonnen, die wegen einer mentalen Beeinträchtigung einfache Sprache brauchen. Auch dieser Peer-Beratungs-Lehrgang ist eine oberösterreichische Premiere und eine Pionierleistung auf diesem Gebiet.